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„Aus der Geschichte lernen“

Delegation aus Rheine wieder bei der Gedenkfeier in Borne

BORNE/RHEINE. „Aus der Geschichte lernen“ – dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Gedenkveranstaltung zum „Tag der Freiheit“ in Borne. Das Gedenken begann am Montagabend mit einer ergreifenden Gedenkstunde in der „Oude Kerk“ und endete mit den Kranzniederlegungen am Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges vor dem Hotel Dorsett. Die Stadt Rheine war wieder mit Bürgermeister Peter Lüttmann und einer Delegation des Städtepartnerschaftsvereins Rheine vertreten. Viele hundert Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die öffentliche Zeremonie, die mit einer landesweiten Schweigeminute um 19 Uhr begonnen hatte.

Bornes Bürgermeister Jan Pierik spannte in seiner Ansprache den Bogen von den Ereignissen vor über 80 Jahren in die heutige Zeit: „Wenn wir heute nicht den Mut haben zu handeln – in einer Zeit, die vergleichsweise sicher ist – werden wir es dann tun, wenn es wirklich gefährlich wird? Oder stehen wir später wieder an einem Denkmal, um diejenigen zu ehren, die den Mut hatten – und empfinden Scham über diejenigen, die geschwiegen haben?“, sagte er angesichts der Enthüllung einer Gedenktafel mit den Namen von 74 jüdischen Mitbürgern, die während des Zweiten Weltkrieges deportiert und ermordet worden waren. Die Gemeindeverwaltung Borne hatte sich im vergangenen Jahr für das Verhalten der Kommune im Zweiten Weltkrieg bei den Juden in Borne entschuldigt.

Pierik äußerte die Sorge, dass der moralische Kompass, mit dem wir moralisch urteilen und der seit Jahrzehnten genutzt werde, nicht mehr funktioniere. „Wir leben in einer Zeit mit alternativen Wahrheiten in sozialen Medien und im Internet. Und international scheint das Recht des Stärkeren zu siegen. Wachsende Unsicherheit sei das Ergebnis. Pierik sprach die Manipulation von Wahlen durch digitale Kampagnen ebenso an wie die verbrecherische Gewalt, die der Staat Israel bei militärischen Aktionen anwende.

Die Suche nach einem neuen Halt zwinge dazu, den moralischen Kompass neu auszurichten. „Und ich merke, dass es vielen Menschen ähnlich ergeht“, sagte Pierik. „Welche Botschaften senden wir als Wähler an unsere Politiker, wenn es um Beziehungen zu Ländern geht, die lange als Freunde galten, sich aber nun von uns abzuwenden scheinen?“, sprach der Borner Bürgermeister die transatlantische Wirklichkeit in aller Deutlichkeit an.

Am Mahnmal hatte zuvor Bürgermeister Peter Lüttmann ebenso einen Kranz niedergelegt wie die Vorsitzenden des Partnercomitees Borne und des Städtepartnerschaftsvereins Rheine. Das gemeinsame Gedenken und Erinnern ist seit vielen Jahren fester Bestandteil in der Partnerschaft der beiden Kommunen.