Neuigkeiten

Kleine Ablenkung vom Kriegsalltag

Mit Unterstützung des Städtepartnerschaftsvereins Rheine für 1292 Kinder in der Ukraine kleine Lichtblicke zu Weihnachten und Neujahr geschaffen.

RHEINE/ODESSA. Die Lage war schlimm: Alarme, Bomben, Stromausfall, keine Heizung, kein Wasser und ständige Ortswechsel – aus Sicherheitsgründen. Dennoch ist es unermüdlichen Helfen in der südlichen Ukraine mit Unterstützung des Städtepartnerschaftsvereins Rheine gelungen, für 1292 Kinder einen kleinen Lichtblick zu Weihnachten und Neujahr zu schaffen. „Ständige Alarme und Beschüsse – ein eigenes Abenteuer. Alles wollte schiefgehen, aber trotzdem bekamen alle Kinder ihre Geschenke! Und meist während der Feiern mit dem Weihnachtsmann. Ganz traditionell, festlich. Also ist unser Hauptsieg, dass wir nichts abgesagt haben“, heißt es in dem Bericht, der die Rheinenser jetzt aus Odessa erreichte.

Ablenkung vom Kriegsalltag lautet das Zauberwort. Die Kinder gestalteten Lebkuchen mit Verzierungen und vielem mehr. Das geschah in zahlreichen kleinen Workshops – was für eine Abwechselung vom tristen Alltag. „Besonders erinnern wir uns an die Fähigkeit der Kinder, sich trotz allem zu freuen. Sie verstehen, wie schlimm die Lage draußen ist, aber wenn sie einen Lebkuchen bemalen oder ein Geschenk bekommen, strahlen sie, als wäre es der beste Tag ihres Lebens. Genau dafür machen wir das alles“, schreibt der Sozialarbeiter Anton Tomin weiter.

Der Bericht von der Organisation einer Weihnachtsüberraschung im Raum Odessa liest sich dramatisch: „Nach einem Angriff saßen wir eine Woche ohne Strom, Wasser und Heizung, und die Bäckerei stand kurz davor, den Betrieb einzustellen. Zum Glück kam das Wasser zurück und die Lebkuchen wurden gebacken, aber dann begannen die Abenteuer mit der Lieferung, weil die Brücke bombardiert wurde und die Hälfte des Gebietes Odessa von der Außenwelt abgeschnitten war. Wir haben die Lieferungen umgeleitet, Umwege gemacht, aber alles zugestellt. Ich habe sogar gemerkt, dass ich teilweise Logistiker von Beruf bin. Mit Verspätung, aber mit Sieg. Es hat etwas Besonderes, wenn alle sagen „unmöglich“ und man es trotzdem schafft“ schreibt Anton Tomin weiter.

Fast alle 1292 Süßigkeitengeschenke wurden verteilt. Die geografische Ausdehnung war  beeindruckend: von Odessa bis zu den entlegensten Orten der Region – Reni, Ismajil, Ananjew, Balta, Kodyma, Beresiwka.  Alle Kinder an einem Ort zu versammeln wäre zu gefährlich und schwierig gewesen. Bedingungen, unter denen selbst der Gang zum Bäcker manchmal eine echte Herausforderung ist. „Ja, in den Büros ist es kalt, und manchmal mussten wir Geschenke im Modus „schnell umarmen und auseinanderlaufen“ verteilen. Trotzdem haben wir versucht, das Gefühl von Festlichkeit so gut wie möglich zu bewahren. Wo möglich, haben wir Neujahrsfeiern mit klassischen Figuren organisiert: Weihnachtsmann, Schneeflöckchen und alle anderen“, schreibt der Berichterstatter weiter.
Der Städtepartnerschaftsverein, der in der Ukraine permanent mit punktuellen und gezielten Hilfen aktiv ist, freut sich über diese erneut wichtige Aktion, die er mit rund 6000 Euro ermöglicht hat.

„Wir haben zuverlässige und kontinuierliche Spender, so dass wir in diesem bescheidenen Rahmen wichtige Hilfen leisten können“, berichtet Vorsitzender Reiner Wellmann. Das alles geschehe in Zusammenabeit mit Mitarbeiterinnen des Caritas-Kinderheims, die aus der Ukraine stammen und sich um die korrekte Verwendung der Spendengelder kümmern. Der Dank aus der Ukraine ist allen Vorstandsmitgliedern des Städtepartnerschaftsvereins Ansporn, hier auch weiter unterstützend und helfend aktiv zu bleiben. „Mit eurer Hilfe haben wir den Kindern wieder ein glückliches Fest ermöglicht. Trotz allem. Wie immer“, heißt es abschließend in dem Bericht. Und den Dank gibt der Verein gerne an alle Spender und Unterstützer weitergibt.
– Spenden für weitere Hilfen nimmt der Städtepartnerschaftsverein gerne entgegen, denn Hilferufe aus dem Kriegsgebiet I’m Süden der Ukraine erreichen die Rheinenser immer wieder. Spendenkonto: DE65 4035 0005 0000 0642 53 bei der Sparkasse Rheine.